20 Krankenhäuser sind 2020 in Deutschland teilweise oder ganz geschlossen worden. Trotz Corona. Die Gesamtversorgung ist trotzdem gewährleistet. Aber die Versorgung im ländlichen Raum schrumpft. Aktuell kämpft ein Bündnis um den Erhalt der Geislinger Helfensteinklinik, die auch dicht gemacht werden soll.
Viele kleine Krankenhäuser werden geschlossen, auch in Corona-Zeiten, in denen eigentlich jedes Bett wichtig sein soll. Alleine im Jahr 2020 sind bundesweit 20 Krankenhäuser ganz oder teilweise geschlossen worden. Protestiert wird aktuell in Geislingen. Dort soll die Helfensteinklinik dicht gemacht werden. Die Geburtsklinik gibt es dort schon seit zehn Jahren nicht mehr.
Ein breites Bündnis hat sich in Geislingen aufgestellt und kämpft für den Erhalt des Hauses. Das Bündnis zum Erhalt der Helfensteinklinik will mit Social Media Auftritten, Demo-Aktionen, einer Petition und einer Menschenkette für Aufsehen sorgen. Das Ziel ist das Geislinger Krankenhaus in möglichst breiter Form zu erhalten.
Die CDU-Kreistagsfraktion hat sich bereits dazu geäußert: sie lehnt den von Landrat und Geschäftsführung der Alb Fils Kliniken (AFK) vorgelegten Plan zur Neustrukturierung der Helfensteinklinik ab. Und auch die nächste Geislinger Gemeinderatssitzung behandelt die Zukunft der Alb-Fils-Kliniken. Die Stadtverwaltung bietet dazu am 21. April 2021 ab 18.00 Uhr einen Livestream an.
In Göppingen entsteht mit rund 427,6 Millionen Euro ein Neubau der Klinik am Eichert. Sie soll zentralisiert den gesamten Landkreis versorgen. Anfangs hieß es hier von Kreistag und Geislinger Klinikleitung „eine Klinik, zwei Standorte“. Das scheint sich auf „eine Klinik, ein Standort“ zu reduzieren. Das Haus erfreut sich zwar großer Beliebtheit in Geislingen, leidet aber unter Personalmangel und ist unwirtschaftlich.
Das letzte Wort in Sachen Helfensteinklinik ist noch nicht gesprochen. Am 21. Mai 2021 soll der Kreistag über die Zukunft des Hauses entscheiden. Eine Möglichkeit: die Helfensteinklinik könnte eine Fachklinik für Altersmedizin werden und somit nicht ganz verschwinden.
Angefangen hat das „Krankenhaussterben“ am Beispiel Ochsenhausen und Riedlingen mit der Privatisierung der Kreiskliniken und der damit verbundenen Vergabe an die Sana Gesellschaft im Jahr 2012.
Das Krankenhaus in Ochsenhausen ist vor bald zehn Jahren schon dicht gemacht worden. In Riedlingen gab es vorab großen Protest: Das Krankenhaus dort ist seit Mitte 2020 geschlossen. Die Versorgung soll zukünftig das Zentralkrankenhaus in Biberach gewährleisten. Das soll im September 2021 eröffnet werden. Eigentlich hätte Riedlingens Klinik zumindest bis dahin geöffnet bleiben sollen.
Das Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten gibt es so auch nicht mehr. Die Klinik Tettnang und das Klinikum Friedrichshafen haben an dieser Stelle übernommen. Übernommen worden sind auch mehrere Geburtshäuser in der Region, die es so jetzt nicht mehr eigenständig gibt.
Insgesamt heißt das übrigens, dass es jetzt nicht zwingend weniger Betten gibt. Bundesweit sind die Krankenhausbetten zwischen 1991 und 2018 zwar um 25 Prozent gesunken, die Zahl der Intensivbetten ist aber auch um 36 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitgeteilt hat.
Geschlossen wurden die kleinen Häuser, weil sie nicht mehr ganz ausgelastet waren und damit wirtschaftlich Verluste geschrieben haben. Insider prangern dazu die Fallpauschale an, also die Vergütung von Leistungen im Gesundheitssystem pro Behandlungsfall. Mit diesem System lohnen sich kleine Häuser mit weniger Betten nicht, große mit vielen dagegen schon eher. Und auch der Fachkräftemangel spielt hier eine Rolle. Ärzte und Pflegekräfte haben anderswo gefehlt.
Es gibt also immer mehr große, privatisierte Zentralkrankenhäuser und immer weniger kleine, kommunale Krankenhäuser. Die kleinen Kliniken werden dabei mehr und mehr durch Gesundheitszentren oder Ärztehäuser ersetzt. Die Gesamtversorgung ist damit zwar weiterhin soweit gewährleistet. Aber die Versorgung im ländlichen Raum schrumpft. Ein Krankenwagen ist schnell bei uns, wenn wir ihn brauchen, aber bis zum nächsten Krankenhaus kann es dann vielerorts bereits jetzt wohl etwas länger dauern. Netzwerke aus großen und kleinen Krankenhäusern wären da womöglich sinnvoller. Vor Allem in Corona-Zeiten.